Über das Verlagshaus
Das Verlagshaus Berlin ist ein unabhängiger Verlag für Lyrik, Übersetzung, Essay und Illustration. Seit 2005 veröffentlichen wir Literatur, die sich mit ihrer Gegenwart auseinandersetzt und eigene Formen dafür findet. Uns interessieren Gedichte, die Wahrnehmungen verschieben, Erfahrungen präzisieren und das vermeintlich Selbstverständliche fragwürdig machen. Wir möchten diese Literatur Menschen zugänglich machen, für die Gedichte längst zum Leben gehören, ebenso wie denen, die ihre Freude daran erst entdecken.
Gegründet wurde der Verlag von Andrea Schmidt, Jo Frank und Dominik Ziller. Am Anfang stand die »Belletristik. Zeitschrift für Literatur und Illustration«, die zeitgenössische Texte und Bilder miteinander ins Gespräch brachte. Aus der Zeitschrift entwickelten sich Bücher, aus ersten Begegnungen langjährige Zusammenarbeiten.
Heute führen Andrea Schmidt, Jo Frank und Tillmann Severin den Verlag. Literarische, gestalterische und übersetzerische Arbeit greifen dabei eng ineinander.
Unsere Bücher entstehen im intensiven Austausch mit den Autor*innen. Wir begleiten neue Stimmen ebenso wie Schreibende, deren Werk über viele Jahre mit dem Verlag gewachsen ist. Zum Programm gehören unter anderem Max Czollek, Anke Bastrop, Alexander Graeff, Odile Kennel, Claudia Gabler, Martin Piekar, Anna Julian Mendlik und Ricardo Domeneck. Ihre Texte unterscheiden sich in Ton, Form und Perspektive. Erinnerung und Gewalt, Körper und Begehren, soziale Verhältnisse, Natur und Technologie kommen darin auf jeweils eigene Weise zur Sprache. Literarischer Eigensinn und gesellschaftliche Aufmerksamkeit gehören für uns zusammen.
Übersetzung ist ein wesentlicher Teil dieser Arbeit. In der Edition Polyphon veröffentlichen wir internationale Gegenwartslyrik, die im deutschsprachigen Raum bislang wenig zugänglich ist. Die zweisprachigen Wendebücher machen den Wechsel zwischen Original und Übersetzung auch körperlich erfahrbar. Übersetzer*innen gestalten mit ihrer eigenen poetischen Erfahrung das Buch mit.
Die Edition ReVers eröffnet neue Zugänge zu älterer Literatur: Gedichte von Konstantinos Kaváfis, Wilfred Owen oder Pier Paolo Pasolini erscheinen in Übersetzungen und mit eigenständigen Illustrationsstrecken.
Die Edition Poeticon verbindet das Nachdenken über Lyrik mit gesellschaftlichen Fragen. Essays zu Begriffen wie »Scham«, »Lust«, »Queer«, »Grenze«, »Sport« oder »Trauer« sprechen Erfahrungen an, die weit über den Literaturbetrieb hinausreichen. In der edition zwanzig stellen wir neue poetische Stimmen in kompakten Chapbooks vor.
Jedes Buch verlangt eine eigene Gestaltung. Schrift, Satzspiegel, Illustration, Papier und Bindung beeinflussen, wie ein Gedicht gelesen wird. Deshalb entwickeln wir die Gestaltung aus dem jeweiligen Text heraus – mit sorgfältiger Typografie, ausgesuchten Papieren und langlebigen Bindungen. Illustrationen bringen eigene Lesarten ein. Unterschiedliche künstlerische Entscheidungen wirken zusammen und eröffnen den Leser*innen Zugänge zum Text.
Unser Verleger*innenteam verbindet dafür unterschiedliche Erfahrungen. Andrea Schmidt ist Mitgründerin, Typografin, Designerin und Lehrende. Mit ihrem Atelier Typografie·im·Kontext und dem Kunstprojekt Ampersand Interart untersucht sie Beziehungen zwischen Schrift, Bild und Sprache. Multilinguale Typografie und inklusives Design prägen ihre Arbeit. Sie lehrte unter anderem an der UdK Berlin, der FH Potsdam, der China Academy of Art in Hangzhou und der HBK Braunschweig.
Jo Frank ist Mitgründer, Lektor, Autor und Übersetzer und begleitet die Texte in Redaktion und Lektorat. Er schreibt auf Deutsch und Englisch; zu seinen Veröffentlichungen gehören »SNACKS«, »GEWALT« und »TRAUER«. Seine Übersetzung von Wilfred Owens Kriegsgedichten erschien in der Edition ReVers. Sprache, Erinnerung und Gewalt beschäftigen ihn literarisch wie verlegerisch.
Tillmann Severin ist Autor, Lektor und Übersetzer aus dem Russischen. Er studierte Komparatistik in München und St. Petersburg sowie Literarisches Schreiben in Leipzig. Neben eigenen Texten, darunter »museum der aussterbenden mittelschicht«, veröffentlicht er Lyrikübersetzungen. Für seine Arbeit an Galina Rymbus Gedichten erhielt er ein Bode-Stipendium.
Über unser Programm entscheiden wir gemeinsam, aus unterschiedlichen Perspektiven und im Gespräch über die Texte.
Zum Verlegen gehört die Frage, wie Gedichte ihre Leser*innen erreichen. Wir arbeiten mit Buchhandlungen zusammen, veranstalten Lesungen und Gespräche und haben den Podcast »#lyrikalsmodus« geschaffen. Unser Lyrik-Abonnement bringt neue Bücher direkt zu den Leser*innen und unterstützt die Programmplanung.
Seit September 2026 stellt die kostenlose App »poetisiert euch!« täglich ein ausgewähltes Gedicht auf iPhone und iPad bereit. Ein Link führt zum jeweiligen Band: Aus einem kurzen Lesemoment kann die Entdeckung eines ganzen Buches werden.
Unsere Arbeit wurde mit dem Berliner Förderpreis 2018 und dem Deutschen Verlagspreis 2019, 2020, 2022, 2023 und 2025 ausgezeichnet. Die ersten drei ReVers-Bände zählen zu den »Schönsten deutschen Büchern« der Stiftung Buchkunst. Für Odile Kennels »Irgendetwas dazwischen« erhielt der Verlag 2024 den Dörlemann ZuSatz der Hotlist.
»poetisiert euch!« ist unsere Einladung, Gedichte zu entdecken und zu Büchern zurückzukehren: weil ihre Sprache nachwirkt und sie beim nächsten Lesen etwas anderes zu sagen haben.