Langsames Ermatten im Labyrinth
In dem Band »langsames ermatten im labyrinth« widmet sich Carl-Christian Elze Venedig – einem Hologramm, einer Vision von Tintoretto, einem Organversagen – sicher keiner Stadt. Die Gedichte erschreiben sich ein Venedig, das in den Körper übergeht. »Venedig ist ein einziges schwanken / durch gassen, die sich salzig verbiegen«. Das ist nicht das Venedig der Postkarten, es ist ein Labyrinth der Ratten, Fliegen, Tauben – aber auch der Päpsten, Dogen, Gondeln und Engel. Ihre Anmut geht gänzlich in Carl-Christian Elzes Verse über.
Es ist kein Wunder, dass er einen ganzen Zyklus zu Tintorettos Gemälden schreibt: Hier mischen sich der Blick des Malers und der des Lyrikers. Was sie sehen, sind Körper, die zu Gedichten werden. Das Betrachten eines Gemäldes ist ein Spaziergang geworden, es geschah wie nebenbei, und ein Spaziergang ist wie ein Gemälde geworden. Das ist nicht irgendeine Stadt, das ist Venedig. Ein Bild vor Augen, das zerfließt, sobald wir es betreten, ein langsames Ermatten im Labyrinth.
Text: Thomas Podhostnik
Illustration: Lilli Gärtner
Lektorat: Jo Frank
Reihe: Edition Panopticon
Ausführung: Hardcover
Seiten: 208 • Format: 24,5 x 14,5 cm
ISBN: 978-3-945832-28-8
1. Auflage: 2019