Sandra Gugić: protokolle der gegenwart
In ihrem Lyrikdebüt »protokolle der gegenwart« bewegt Sandra Gugić sich entlang der Oberflächen und Tiefenströmungen der Gegenwartssprache: »auf verschiedenen ebenen kombinierbare aneignungspraktik / von geschichte«. Sie greift in die Struktur der Sprache ein, transformiert Syntax, seziert Syntagma, schneidet Wortmaterial zusammen.
Wenn der Wortstrom ins Stocken gerät, bricht die Oberfläche zu Wortketten auf, die in die Tiefenstruktur vordringen: logik lüge libido, naming shaming blaming. So erzeugt Sandra Gugić dreidimensionale Wortnetze, in denen sie die Gegenwart einfängt und zu einem friendly wordfire transformiert. Darin verwebt sie alle denkbaren Diskurse der Gegenwart: Flucht, Gender, Heimat, Computerspiele, Nahrungsmittelverpackungen.
Die Gewalt der Sprache wird gleichzeitig ausgestellt und durchkreuzt, denn »dabei haben wir diese sprache aus eigenen mitteln finanziert«. »protokolle der gegenwart« ist ein mitreißender Sprachstrom aus dem »postkutschenzeitalter des individualismus«, in dem Gugić in drei Kapiteln eine Karte der Gegenwart entwirft, »von schreien zu schreiben«.
Gedichte: Sandra Gugić
Illustrationen: Oliver Hummel
Lektorat: Jo Frank
Gestaltung: Typografie · im · Kontext
Reihe: Edition Belletristik
Ausführung: Französische Broschur
Seiten: 128 • Format: 19 x 12,5 cm
ISBN: 978-3-945832-29-5
1. Auflage: 2019