Martin Piekar: Livestream & Leichen
»ich singe für die, die
spiegelbleich das grinsen des scheiterns üben
ich singe, um uns allen zu beweisen, dass
wir am leben sind«
Was als Spaziergang beginnt, entpuppt sich bald als Tour de Force, als Streitgespräch mit Bots, Bekannten, Liebhaber*innen – und Leichen. Martin Piekar lässt diejenigen sprechen, die am Rand unserer Gesellschaften sprachlos werden. Lässt sie Liebeshymnen anstimmen für diejenigen, die lieblos am Boden liegen gelassen werden. Ungelöste menschliche Konflikte – Herkunft, Beziehungen, Ungleichheiten – werden mit technischen Entwicklungen kontrastiert, die Lösungen anbieten, die eine neue Herrschaftsstruktur einläuten.
Wie ein Chor aus griechischen Tragödien fordern Leichen genauso wie der lebendige digitale Livestream immer wieder das Gespräch mit der Vergangenheit und mit der Gegenwart. In digitalen Räumen, unter Bettdecken und in Krankenhäusern: Überall fragen die Leichen, wie die Zukunft zu gestalten ist, wenn wir uns gemeinschaftlich der Realität versperren.
Die Gedichte bieten Freundschaft als Ort unseres Zusammenseins an. Als Weg, das Unfassbare zu begreifen, als Weg, sich Räume in dieser Welt zu erkämpfen, die manchmal aufgegeben erscheinen. Martin Piekars Schreiben ist eine Einladung, mit ihm zu gehen, zu schreiten, zu rennen und innezuhalten: Unter Brücken, auf Parkbänken und Verkehrsinseln.
Gedichte: Martin Piekar
Illustration: Nina Kaun
Lektorat: Jo Frank
Gestaltung: Typografie · im · Kontext
Reihe: Edition Belletristik
Ausführung: Französische Broschur
Seiten: 156 • Format: 19 x 12,5 cm
ISBN: 978-3-910320-07-9
1. Auflage: 2023